Den Menschen im Blick
Den Menschen im Blick. Gedanken in Bildern, Geschichten und Musik.
Ich war schon immer kreativ. Kunst gehörte zu meinem Leben, lange bevor ich begann, meine Gedanken in Liedern auszudrücken. Rückblickend erkenne ich, dass meine unterschiedlichen kreativen Wege nie wirklich voneinander getrennt waren. Sie kreisen um dasselbe Interesse: den Menschen, seine innere Welt und die Geschichten, die sich hinter dem zeigen, was wir nach außen tragen.
Ob mit der Kamera, dem Pinsel, beim Schreiben von Geschichten oder heute beim Songwriting – mein Blick richtet sich immer wieder auf das Porträt. Nicht nur auf das Gesicht eines Menschen, sondern auch auf das, was es andeutet: Persönlichkeit, Widersprüche, Verletzlichkeit, Selbstbild und die Spuren des Lebens.
Gesichter erzählen Geschichten
In der Fotografie habe ich mich ausschließlich Porträts gewidmet. Mich interessiert der Mensch als Individuum, als Ausdruck einer Persönlichkeit und als Gegenüber. Ein Gesicht ist für mich weit mehr als eine Ansammlung sichtbarer Merkmale. Es kann Fragen aufwerfen, etwas verbergen, etwas preisgeben oder mehrere Wahrheiten gleichzeitig in sich tragen.
Auch in der Porträtmalerei steht der Mensch im Mittelpunkt. Dabei geht es mir nicht allein um Ähnlichkeit oder die möglichst genaue Wiedergabe eines äußeren Erscheinungsbildes. Malerei eröffnet mir die Möglichkeit, Wahrnehmung zu interpretieren, Gefühle in Farben und Formen zu übersetzen und dem Sichtbaren eine eigene Bedeutungsebene hinzuzufügen.
Vielleicht ist es gerade das, was mich am Porträt so fasziniert: Wir sehen einen Menschen, aber wir kennen damit noch lange nicht seine Geschichte. Hinter jeder äußeren Erscheinung liegt eine Wirklichkeit, die sich unserem vollständigen Wissen entzieht.
Geschichten über das, was zwischen uns liegt
Das Erzählen von Geschichten ist für mich eine weitere Möglichkeit, Menschen und ihre Wirklichkeit zu betrachten. Auch hier interessieren mich besonders philosophische Fragen und Beobachtungen des Alltags. Ich mag Geschichten, die nicht nur ein Geschehen beschreiben, sondern etwas über unsere Denkweisen, unsere Sehnsüchte und unsere Art, die Welt wahrzunehmen, sichtbar machen.
Mich beschäftigt, wie wir uns unsere Wirklichkeit erklären, welche Vorstellungen wir für selbstverständlich halten und wie sehr unsere Wahrnehmung davon geprägt ist, was wir sehen möchten – oder vielleicht lieber nicht sehen.
Eine Geschichte darf dabei leicht beginnen und dennoch einen tieferen Gedanken in sich tragen. Sie darf unterhalten, irritieren, zum Schmunzeln bringen oder erst im Nachhinein ihre eigentliche Bedeutung entfalten. Für mich liegt ein besonderer Reiz darin, das Alltägliche aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und darin etwas Allgemeingültiges zu entdecken.
Wenn aus Geschichten Lieder werden
Mit dem Songwriting hat sich für mich ein neuer Ausdrucksraum geöffnet. Vieles, was mich schon beim Fotografieren, Malen und Schreiben beschäftigt hat, findet hier eine andere Form.
Ein Lied kann einen Gedanken verdichten, eine Beobachtung auf den Punkt bringen oder ein Gefühl ausdrücken, für das eine gewöhnliche Beschreibung nicht ausreicht. Sprache und Musik treten miteinander in Beziehung. Eine Textzeile kann durch eine Melodie eine zusätzliche Bedeutung gewinnen; ein musikalischer Moment kann etwas ausdrücken, das sich nicht vollständig in Worte fassen lässt.
Auch meine Lieder entstehen aus dem Wunsch, den Menschen und seine Welt genauer zu betrachten. Mal geht es um Identität und Selbstannahme, mal um gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Nähe oder die Widersprüche unserer Zeit. Meine Perspektive ist dabei häufig philosophisch oder beobachtend: Ich möchte nicht einfach nur erzählen, was geschieht, sondern auch fragen, was dahinterliegen könnte.
Dass ich mich nun mit Musik ausdrücke, empfinde ich deshalb nicht als Abkehr von meinen bisherigen kreativen Arbeiten. Vielmehr ist das Songwriting eine Erweiterung davon – eine neue Möglichkeit, denselben Fragen nachzugehen.
Von der rosaroten Wolke zum Lied
Ein Beispiel dafür ist Die rosarote Wolke: eine Geschichte und ein Lied, die auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind.
Solche Verbindungen interessieren mich besonders. Ein Gedanke kann zunächst in einer Geschichte Gestalt annehmen und später in einem Lied weiterleben. Was sich im erzählerischen Text entfaltet, lässt sich musikalisch verdichten, verändern und aus einer anderen Perspektive erleben.
So entstehen zwischen meinen kreativen Arbeiten Verbindungen, die nicht immer von Anfang an geplant sind. Ein Motiv führt zum nächsten, eine Beobachtung entwickelt ein Eigenleben, und manchmal zeigt sich erst beim Wechsel des Mediums, welche weiteren Möglichkeiten in einer Idee stecken.
Hier findest du eine kleine Leseprobe aus Die rosarote Wolke sowie das dazugehörige Lied.
Vielleicht entdeckst du dabei, wie sich dieselbe Idee in Worten und Musik auf unterschiedliche Weise entfalten kann.
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Der Mensch bleibt mein Thema
Wenn ich meine unterschiedlichen Arbeiten betrachte, erkenne ich eine Konstante: die Beschäftigung mit dem Menschen.
Mich interessieren seine Eigenheiten und Widersprüche, seine Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Freiheit, seine Fähigkeit zur Selbsttäuschung ebenso wie seine Fähigkeit, sich zu verändern. Ich beobachte, hinterfrage und versuche, das Wahrgenommene in eine Form zu bringen, die andere Menschen erreicht.
Dabei geht es mir nicht darum, fertige Antworten zu liefern oder die Welt in einfache Kategorien einzuteilen. Ich glaube, dass wir vieles erst verstehen, wenn wir bereit sind, genauer hinzusehen – und auch das eigene Denken nicht von der Betrachtung auszunehmen.
Ob in einem Porträt, einer Geschichte oder einem Lied: Mich interessiert der Moment, in dem aus einer Beobachtung eine Frage wird und aus einer Frage ein neuer Blick auf die Wirklichkeit.
Heute finden diese unterschiedlichen Wege im Songwriting eine weitere gemeinsame Sprache. Meine Musik bewegt sich zwischen Singer-Songwriter, Acoustic Pop, Folk und Chanson. Sie verbindet persönliche Gedanken mit gesellschaftlichen Beobachtungen und versucht, dem Komplexen eine poetische Form zu geben, ohne ihm seine Vielschichtigkeit zu nehmen.
Vielleicht ist das der rote Faden meiner Arbeit: den Menschen immer wieder neu zu betrachten – in Bildern, in Geschichten und in Musik.
Nicht, um ihn endgültig zu erklären, sondern um mich ihm anzunähern.
Nora
Eine kreative Suche nach dem Menschen – und nach den Geschichten, die in uns allen verborgen liegen.